Welche Erkenntnisse bestehen angesichts der diesjährigen extremen Algenblüte in der Ostsee sowie des massenhaften Auftretens von Quallen im Mittelmeer über die Wechselbeziehungen zwischen massiver Befischung, Überdüngung durch anthropogene Nährstoffeinträge und Meeresverschmutzung sowie Klimawandel einerseits und Phänomenen wie Algenblüte und massenhaftes Auftreten von Quallen andererseits?
Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sich die großflächigen Algenblüten in der Ostsee aufgrund von Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) und Klimawandel (Temperaturanstieg) verstärken.
Bei der diesjährigen sommerlichen „Algenblüte" in der Ostsee handelte es sich um eine Blüte von Cyanobakterien (auch Blaualgen genannt). Solche Blüten sind in der Ostsee keine Seltenheit, scheinen aber seit einigen Jahren an Intensität, Dauer und Ausdehnung zuzunehmen. Grundvoraussetzung für eine solche „Blüte" sind Nährstoffe wie Stickstoff (N) und Phosphor (P) und ein stabil geschichteter Wasserkörper, wie er bei sommerlicher Sonneneinstrahlung und wenig Wind (und insofern vom Klimawandel begünstigt) bevorzugt entsteht. Insbesondere die Verfügbarkeit von P ist für Cyanobakterien bedeutsam, da sie elementaren Stickstoff aus der Luft als Stickstoffquelle nutzen können.
Quallenplagen sind ein natürliches Phänomen sowohl in Nord- und Ostsee als auch im Mittelmeer und kommen abhängig vom Wetter und Nahrungsangebots unterschiedlich häufig vor. Allerdings scheinen die Abstände zwischen den Quallenplagen kürzer zu werden. Wahrscheinlich spielen dabei mehrere Ursachen zusammen: Insbesondere für das Mittelmeer gilt, dass durch die Fischerei die wenigen natürlichen Feinde der Quallen, wie Thunfische, Mondfische und Meeresschildkröten, stark dezimiert wurden. Aber auch die Überfischung anderer Fischarten spielt eine Rolle, da die Quallen mit weniger Jungfischen um ihre Nahrung konkurrieren müssen. Weiterhin fördert die Eutrophierung nicht nur das Wachstum von Algen, sondern auch das Wachstum der sich von Algen ernährenden winzigen Krebse und von anderen planktischen Kleintieren, von denen sich die Quallen ernähren.
Bei erhöhten Wassertemperaturen scheinen Quallen sich zudem schneller vermehren zu können. Aufgrund des Klimawandels gelangt im Sommer weniger Süßwasser aus den Flüssen ins Mittelmeer. Der dadurch ansteigende Salzgehalt der Küstengewässer scheint das Auftreten von Quallen zu begünstigen, da diese bisher stärker im salzhaltigeren Hochseewasser zu finden waren.